Anna Domino
Forum
Anna Domino macht(e) lupenreinen Pop, der sich locker mit Prefab Sprout und Scritti Politti messen kann und ist eine der interessanteren Künstler, die auf dem Indie-Label Les Disques Du Crepuscule veröffentlicht haben.
Zu dem Label sollte man erhellend ein paar Sachen sagen und dafür muss kurz in der Zeit zurück geblickt werden, bis zu Post-Punk Zeiten und der Gründung von Factory Records. 1978 in Manchester gegründet, wollte man sich 1980 globaler präsentieren und gründete in Brüssel Factory Benelux. Annik Honoré engagierte sich zuvor schon bei Factory zu einer Zeit, als sie im Diplomatenchor der belgischen Vertretung in London beschäftigt war. Dies und die Tatsche, dass in Belgien der dringende Wunsch bestand, Material von Factory zu veröffentlichen und Konzerte mit Factory-Acts zu veranstalten, führten nach Anniks Rückkehr nach Brüssel zu dem Entschluß, eine Filiale in Belgien zu gründen. Annik gründete aber zusammen Michel Duval ein wenig später das Les Disques Du Crepuscule-Label, was zu einigen Irritationen bei Tony Wilson, dem primus inter pares von Factory, führte: Tony war überhaupt nicht begeistert. Hat ihm aber nichts genützt. Factory Benelux und Les Disques Du Crepuscule waren im selben Bürogebäude untergebracht. Und so kommt es, das viele Künstler, die bei Factory und Factory Benelux zu Gange waren, auch bei Les Disques Du Crepuscule veröffentlichten. Tony Wilsons Lieblingsband Durutti Column zum Beispiel, oder auch Section 25. Man veranstaltete zudem gemeinsame Konzerte, auf denen Joy Divison, A Certain Ratio, Cabaret Voltaire und andere aufliefen. Auch das Konzept von Factory färbte auf Les Disques Du Crepuscule voll ab. Cover und Werbeplakate wurden bei Factory von Künstlern wie Peter Saville designed. Das wurde auch bei Les Disques Du Crepuscule so gehandhabt. Hier waren vor allem Claude Strassart und Benoit Hennebert federführend. Auch das konsequente Nichtbewerben von Factory wurde übernommen. Kein Marketing, kein Merchandising. Factory bekamen durch den Hit Blue Monday von New Order und Over the Hilltop von Section 25, sowie Acts wie A Certain Ratio bald den Stempel eines Dancefloor-Labels. Da schwebte Les Disques Du Crepuscule etwas anderes vor: Man frönte dem Fetisch Schönheit. Stil war hier das A und O. In den Musikrichtungen herrschten denn auch Pop, Klassik, Jazz, Experimentelle Musik, Musik für Tanztheater, Avantgarde, etc. - alles, bloß kein Rock - vor.
Anna Domino passte mit ihrem Jazz-Pop hervorragend in die Landschaft von Les Disques Du Crepuscule. Sie arbeitete mit Leuten wie Virgina Astley, Blaine L. Reininger und Matt Johnson (The The; Anna ist auf der LP Infected von The The zu hören. Ihre LP "Anna Domino" kam in England auf Factory raus und sehr gut an) zusammen. Die LP Anna Domino klingt ein wenig wie Sade. Während Sade allerdings nur wie ein Konsumprodukt klingt, kommt Anna authentisch rüber. Produziert von Alan Rankine (Ex-Associates) und Marc Moulin (Telex) und unter anderem mit der Hilfe von Dan Lacksman (auch Telex, der seinen Fairlight mit brachte) eingespielt, bekommt man eine toll produzierte Scheibe mit sehr geschmackvollem Synthesizereinsatz geboten. Der Nachfolger This Time kam besonders gut in Japan an, wo man auf Stil bekanntlich großen Wert legt. 1999 hat sie unter dem Bandnamen Snakefarm eine ganz andere Richtung eingeschlagen. Im Stil von Nick Cave hat sie die LP Songs From My Funeral aufgenommen. Murder ballads werden mithilfe von Folk und Blues vorgetragen.
Heute lebt die Weltenbummlerin, die in Tokyo auf die Welt kam und in Ann Arbor, Florenz, Brüssel und Ottawa gelebt hat, in New York und betätigt sich dort als Modegestalterin.
>>By Wackelkontakt (Sunday, 24 Aug 2008 13:59)
ich habe mich jetzt nach der anna domino bisschen umgeschaut, norbert, deine tips sind echt ein hammer!!! vielen dank und fettes bussi, ohne dich wäre mir die kleine verborgen geblieben...
>>By ronald (Sunday, 24 Aug 2008 14:37)
Aber gern geschehen :o))
>>By Wackelkontakt (Sunday, 24 Aug 2008 17:37)
Das Forum ist zur zeit geschlossen.
|