Angelo Branduardi

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FÜR DIE UNVERHOFFTE LIEBESNACHT MIT EINEM ITALIENISCHEN SÄNGER, DER SICH EI-NEN "TROVATORE" NENNT UND VIEL VON DEN
MITTELALTERLICHEN TROBARS GELERNT HAT


L O I B E R E R I S E N - E N T B L Ä T T E R U N G


Unter dem Tisch rieb sich dein Bein an meinem
Wir haben uns nach einem Fest und im Hotel gefunden.
Du sagtest:"Komm, Tür22!", und ich folgte dir
Für ein paar mitternächtlich namenlose Stunden.

Zuvor drehtest du mir noch eine Zigarette,
und deine Zunge feuchtete gekonnt das Blatt.
Dazu ein trockenes Bonmot, vielleicht zur Warnung:
"Ich komm' vom Lumpenproletariat"

Dann konnt ich mich in deinem dichten Haar verlieren,
als dunkler Mantel fiel es weich auf mein Gesicht.
Und erst dein Blick: ein dekadenter Byzantinerknabe -
in deiner Lockenpracht die Silberfäden störten nicht.

Bald wurdest du ein Tier mit spitzen Zähnen
auf mir - ich habe mich behutsam nur gewehrt.
Dein Eros rabenschwarz: du wolltest von mir hören,
wie man beschimpft, was man zutiefst begehrt.

Dein Deutsch nicht besser als mein Italienisch.
So täuschte ich dich, Freund, mit Heiterkeit:
Anstatt die Gossen meiner Sprache zu bemühen,
lehrt' ich die Namen dich aus längst vergangner Zeit.

Den Muschelgrund, das Rosentor, die Perlenpforte:
die Namen war'n dir alle herzlich unbekannt.
Du sprachst sie nach voll Unverständnis und Begier -
so ward ich selten schöner an intimer Stell' benannt.

Und plötzlich war'n wir Kuschelkinder.
Dein Tier verwandelt in ein sanftes Engelein,
und bargen Arm in Arm uns bis zum Morgen,
der uns nach Hause rief - und ich fuhr nicht allein.

Indessen merkte ich erst etwas später,
daß ich was trug im Bauche, das nur halb von mir
und halb von dir - doch war vorauszusehen:
die Nachricht brächte dir nicht allzuviel Plaisier.

Was ich versteh': dir ist beschieden
schon zweifach Vaterglück mit einer wohl geliebten Frau,
dazu dein Künstlerruhm, dem guter Ruf recht nützlich:
das zu touchieren, macht nicht nur im Magen flau.

Ich gebe zu, mein "Ja" kam auch nur zögernd.
Nach Mutterschaft hab' ich mich nie gesehnt.
Wer weiß schon, ob's am Ende richtig ist für beide?
Doch hätt' ich mich vielleicht ganz gern daran gewöhnt.

Das kleine Seelchen hatte da wohl Zweifel
und sagte sein Erscheinen ab, bevor es fällig war.
So bleibt das ganze ein fraktales Abenteuer,
der Sinn bis heute nur dem Himmel offenbar.

Dein Mundwerk frech, die Stimme Seide
und Wind und Glas - man scheint dich gut zu kennen.
Von Musikanten, die aus deiner Heimat kommen,
hörte ich dich schon "scaltro" - "listig" nennen.

Doch ist es wohl nicht Schuld des Rattenfängers,
wenn mondverzaubert Kinder seinem Spiel nachrannten.
Du weißt von mir nichts und machst Träume klingen,
die mir schon lang, bevor ich von dir hörte, in der Seele brannten.

Du singst den alten Tanz, den Totenreigen,
von Irlands Aengus, Gott der Liebe und der Zeit
Du singst das "Gaudete, Christus est natus"
und "Scarborough Fair", Sehnsucht und Einsamkeit.

Du singst von Heiligen, Huren, Hofpoeten,
in deinem Wasserfloh hört Gaspar Sanz man grüßen
- er komponierte vor dreihundert Jahren -
doch seine Muse scheint es, blieb, um dich zu küssen.

Nicht zu vergessen Wizlav auch, den Fürst von Rügen.
Den letzten seines Stammes, Sänger und Poet.
Spielmann hätte man dich an seinem Hof genannt -
vor siebenhundert Jahren - heut sagt man: Interpret.

Du singst, was er sich von der Seele schrieb,
von Winterfrost und Liebesglück: "Helfet mir schallen!"
Doch müssen, eh' der Liebe Maienrosen sprießen,
die Blätter erst - L o i b e r e R i s e n - hin zum Grunde fallen.

Ich hab', mein Freund, mir auch dein Horoskop besehen:
Kein Wunder, daß du wurdest, was du bist, bei solchen Sternen.
Voll Spott und Rebellion der Mund, und tief und alt die Augen,
mit tausend alten Leben drin - man könnt von dir was lernen.

Vielleicht - pardon - nicht nur das Allerfeinste,
obwohl man dein Talent ruhig göttlich nennen kann,
doch aus dem Kopf spricht immer auch der Bauch,
und zwischen zarten Tönen auch bei dir der Macho-Mann.

Nicht immer ist - ANGELO - Nomen Omen.
Ein freches Maul ätzt auch in einer Elfenstimme Kleid.
In der Ballade von den "Lästerzungen"
hätte Francois Villon dir sicher manchen Vers geweiht.

Unter den Locken schaut ein listig-weises Tier
poetisch todverliebt über die Spiegelmauer.
Eine Olive Bosheit glänzt im Mix aus Charme und Ironie
An einem schwarzen Sticker gläsern-eleganter Trauer.

L o i b e r e R i s e n - du schätzt alte Lieder
Und hast dir ihre Melodien und Worte oft geliehe'n.
Doch fügst du viel an eignen Harmonien und Dissonanzen auch mit ein -
und es betört (nicht nur) das Ohr - so sei es dir verziehn.



>>By Mylady   (Monday, 6 Jan 2003 03:20)



Die Geschichte von Mylady ist fantastisch.Ich habe sie schon selbst tausendmal erdacht.
ALLEINE DER gedanke, dass man in seiner Fantasie jemandem gehört,ist prickelnd.

>>By Angela   (Thursday, 10 Jul 2003 20:19)



Die Gedanken von Mylady sind äußerst prickelnd. Ich habe mir schon tausendmal dieselbe Situation ausgedacht. Alleine, wenn Branduardi singt, bringt das alle meine Gefühle in Wallung.E s ist wunderschön davon zu träumen, in diesen Armen zu liegen.
Ich hoffe, er muss nicht jede Frau in den Arm nehmen, die ihn in seinen Konzerten so anhimmelt.
Ansonsten ist seine Musik nur wunderschön und so poetisch. Man kann sich ihrem Zauben nicht entziehen und ich liebe sie. Sie ist ein Teil von mir geworden.
Ein Gedicht:
Meine-Deine Lieder
Du schreibst die Noten in mein Herz
ich atme tief die Melodien
Ruhe lässt mich segeln
auf dem Meer der Fantasie
Licht ins Dunkel des Alltags
Lieder wie der Wind-
leise umschmeichelnd
kraftvoll beherrschend
glätten die Wogen meiner Seele
führen mich ans Ufer meiner Ungeduld
kann mich nicht entziehen
muss sie wieder hören und wieder
bezwingen den Ozean meiner Gefühle
bringen mich an den Strand meines Paradieses.

>>By Angela   (Thursday, 10 Jul 2003 20:28)



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